Dachlatten Maße: Normen, Querschnitte und Lattabstand richtig bestimmen

Dachlatten wirken unscheinbar. Ein paar Holzlatten quer aufs Dach, Ziegel drauf, fertig? Genau diese Denkweise macht später Ärger. Im Dachaufbau tragen Dachlatten die Eindeckung, leiten Lasten weiter und dienen während der Arbeit oft als Standfläche. Darum dürfen Querschnitt, Sortierklasse und Lattabstand nicht nach Bauchgefühl gewählt werden.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Dachlatten-Maße üblich sind, wann 30 × 50 mm oder 40 × 60 mm infrage kommen, was S10 und S13 bedeuten und warum der Lattabstand immer zum konkreten Dachziegel passen muss. Kurz gesagt: Sie bekommen hier keine Baumarkt-Pauschale, sondern eine praxistaugliche Entscheidungshilfe für Planung, Einkauf und Kontrolle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Übliche Dachlattenquerschnitte sind 24 × 48, 24 × 60, 30 × 50 und 40 × 60 mm.
  • 30 × 50 mm wird in den gängigen Zuordnungstabellen bis 80 cm Auflagerabstand mit Sortierklasse S10 angesetzt.
  • 40 × 60 mm kommt bei passenden Randbedingungen bis 100 cm Auflagerabstand infrage, ebenfalls in S10.
  • 24 × 48 und 24 × 60 mm benötigen in den entsprechenden Tabellen S13; 24 × 48 mm ist zusätzlich nur bei Dachlattenabständen bis 17 cm vorgesehen.
  • Der Lattabstand richtet sich nach dem Dachziegel oder Dachstein, nicht nach dem Dachlattenquerschnitt.
  • Dachlatten sollten trocken, festigkeitssortiert, eindeutig gekennzeichnet und frei von groben Holzfehlern sein.
  • Bei Sonderfällen wie hohen Schnee- oder Windlasten, großen Sparrenabständen, schweren Deckungen oder ungewöhnlichen Dachformen ist ein rechnerischer Nachweis nötig.

Welche Dachlatten-Maße sind Standard?

Die häufigsten Dachlatten-Maße sind 30 × 50 mm und 40 × 60 mm. 30 × 50 mm wird bei vielen Steildächern mit Ziegel- oder Dachsteindeckung eingesetzt, wenn der Auflagerabstand und die übrige Konstruktion passen. 40 × 60 mm bietet mehr Höhe und Biegesteifigkeit und wird oft bei größeren Auflagerabständen oder mehr Reserven gewählt.

Kleinere Querschnitte wie 24 × 48 mm oder 24 × 60 mm sind keine universelle Sparlösung. Sie benötigen in den üblichen Zuordnungstabellen die höhere Sortierklasse S13. Besonders 24 × 48 mm ist nur für sehr enge Lattabstände bis 17 cm vorgesehen.

[Bildinhalt mit KI erstellt]

Eine gute Merkhilfe lautet: Erst Dachaufbau und Auflagerabstand klären, dann Querschnitt wählen. Nicht andersherum.

Dachlatten-Maße in der Übersicht

Die folgende Tabelle fasst die gängigen Nennquerschnitte zusammen. Sie ersetzt keine statische Bemessung, hilft aber bei der ersten Einordnung.

Nennquerschnitt Üblicher maximaler Auflagerabstand Erforderliche Sortierklasse Typische Einordnung
24 × 48 mm bis 70 cm S13 Nur bei Dachlattenabständen bis 17 cm zulässig
24 × 60 mm bis 80 cm S13 Geringe Bauhöhe, breitere Auflagefläche
30 × 50 mm bis 80 cm S10 Häufiger Standardquerschnitt im Steildach
40 × 60 mm bis 100 cm S10 Mehr Tragreserve bei größeren Auflagerabständen
Orientierende Zuordnung gängiger Dachlattenquerschnitte. Maßgeblich bleiben Dachaufbau, Lasten, Befestigung, Herstellerangaben und gegebenenfalls ein rechnerischer Nachweis. [Bildinhalt mit KI erstellt]

Die Werte beziehen sich auf trockenes, sortiertes Nadelschnittholz und geregelte Einsatzbedingungen. Für tragende Dachlatten genügt also nicht das sichtbare Maß. Entscheidend ist die Kombination aus Querschnitt, Sortierklasse, Holzfeuchte, Auflagerabstand und Befestigung.

Eine kompakte Übersicht zu Anforderungen an Dachlatten findet sich auch bei BauNetz Wissen. Die CE-Dachlatten-Vereinbarung der beteiligten Verbände beschreibt unter anderem Kennzeichnung, Sortierbezug und Begleitdokumente: Verbändevereinbarung Dachlatten mit CE-Kennzeichnung.

Was sind Dachlatten?

Dachlatten sind waagerecht zur Traufe verlaufende Latten, auf denen Dachziegel oder Dachsteine liegen, eingehängt oder befestigt werden. Bei klassischen Steildächern sitzen sie meist auf der Konterlattung. Diese Konterlattung liegt wiederum auf Sparren beziehungsweise oberhalb der Unterdeck- oder Unterspannbahn.

Die Dachlatte ist damit kein beliebiges Stück Holz. Sie übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig:

  • Sie trägt Dachziegel oder Dachsteine.
  • Sie überträgt Lasten auf Konterlatten und Sparren.
  • Sie gibt den Lattabstand und damit die Lage jeder Ziegelreihe vor.
  • Sie dient als Befestigungsgrund für Sturmklammern und weitere Sicherungen.
  • Sie wird während der Dacharbeiten häufig betreten.

Auf die Lattung wirken Eigengewicht der Eindeckung, Schnee, Wind, Sogkräfte und zeitweise auch Personenlasten. Ist die Latte zu schwach, zu feucht, schlecht sortiert oder falsch befestigt, kann sie sich stark verformen. Im schlimmsten Fall bricht sie. Dann geht es nicht nur um verrutschte Ziegel, sondern um echte Absturz- und Durchsturzgefahr.

Die BG BAU sensibilisiert mit der Initiative „Sicher auf dem Dach“ für genau solche Risiken. Für Heimwerker heißt das: Arbeiten auf dem Dach sind kein normales DIY-Projekt. Ohne sichere Zugänge, Absturzsicherung und Fachwissen sollte niemand auf einer Dachfläche arbeiten.

Dachlatten und Konterlatten: der Unterschied

Dachlatten und Konterlatten werden gerne in einen Topf geworfen. Das ist verständlich, aber technisch falsch. Beide Holzbauteile sitzen im Dachaufbau an unterschiedlichen Stellen und erfüllen verschiedene Aufgaben.

Konterlatten

Konterlatten verlaufen in der Regel in Richtung der Sparren, also von der Traufe zum First. Sie schaffen Abstand zwischen der wasserführenden Ebene und der späteren Dacheindeckung. Dadurch kann Feuchtigkeit ablaufen und Luft unter der Deckung zirkulieren.

Die Höhe der Konterlattung hängt unter anderem von Dachneigung, Dachlänge, Lüftungsanforderungen, Unterdeckung und Regelwerk ab. Ein pauschales Maß wie „30 × 50 mm passt immer“ wäre hier zu grob.

Dachlatten

Dachlatten verlaufen quer zu den Sparren. Auf ihnen liegen die Dachziegel oder Dachsteine. Ihr Abstand bestimmt, ob die Deckung sauber schließt, ob die Überdeckung passt und ob Traufe und First am Ende sauber aufgehen.

Vereinfacht sieht der Dachaufbau von innen nach außen so aus:

  1. Sparren
  2. Unterdeckbahn oder Unterspannbahn
  3. Konterlattung
  4. Dachlattung
  5. Dachziegel oder Dachsteine

Was regelt die DIN 4074-1 bei Dachlatten?

Die DIN 4074-1 behandelt die Sortierung von Nadelschnittholz nach der Tragfähigkeit. Sie legt also nicht einfach „schöne Maße“ fest. Sie beschreibt, welche Holzmerkmale bei der visuellen Sortierung bewertet werden und wann ein Stück Holz einer Sortierklasse zugeordnet werden darf.Bei Dachlatten sind unter anderem diese Merkmale relevant:

  • Äste und Astlage
  • Faserneigung
  • Risse
  • Krümmung und Verdrehung
  • Baumkante
  • Druckholz
  • Verfärbungen, Fäule oder Insektenschäden
  • weitere festigkeitsrelevante Auffälligkeiten

Die bekannten Klassen S7, S10 und S13 stammen aus dieser Sortierlogik. Für Dachlatten sind vor allem S10 und S13 relevant. S10 bedeutet nicht „perfekt astfrei“. Es bedeutet: Die festigkeitsrelevanten Merkmale liegen innerhalb definierter Grenzen.

Maschinell sortiertes Holz kann statt einer S-Klasse direkt mit einer europäischen Festigkeitsklasse gekennzeichnet sein, zum Beispiel C24. Beim Einkauf zählt daher nicht nur die mündliche Aussage „ist S10“, sondern eine nachvollziehbare Produktkennzeichnung mit Begleitdokumenten.

Wer tiefer in Tragfähigkeit, Holzklassen und Bauholz einsteigen möchte, findet ergänzend den Beitrag Traglast Holzbalken Tabelle. Er behandelt zwar Balken statt Dachlatten, erklärt aber gut, warum Holzquerschnitt und Festigkeitsklasse immer zusammen betrachtet werden müssen.

Ist S10 für Dachlatten Pflicht?

Die kurze Antwort: Nicht jede Dachlatte muss automatisch S10 sein, aber viele gängige Dachlatten werden mindestens in S10 eingesetzt.

Bei 30 × 50 mm und 40 × 60 mm ist S10 in den üblichen Zuordnungen die Mindest-Sortierklasse. Bei 24 × 48 mm und 24 × 60 mm ist S13 vorgesehen. Genau deshalb ist die Aussage „Ich nehme einfach S10, dann passt das schon“ zu ungenau.

Die Eignung ergibt sich aus mehreren Punkten:

  • Querschnitt der Dachlatte
  • Auflagerabstand beziehungsweise Sparrenabstand
  • Sortier- oder Festigkeitsklasse
  • Lattabstand der Dacheindeckung
  • Befestigungsmittel und Eindringtiefe
  • Schnee- und Windlasten am Standort
  • Eigengewicht und Art der Dacheindeckung

Eine normale, unmarkierte Baumarktleiste ist damit kein gleichwertiger Ersatz für eine tragende Dachlatte. Auch dann nicht, wenn sie zufällig 30 × 50 mm misst und gerade aussieht.

Wie erkennt man normgerechte Dachlatten?

Beim Kauf sollten Dachlatten nicht nur nach Länge und Preis ausgewählt werden. Achten Sie auf eine klare Kennzeichnung und auf einen Zustand, der zum Einbau passt.

Diese Angaben sollten nachvollziehbar sein

  • Querschnitt, zum Beispiel 30 × 50 mm oder 40 × 60 mm
  • Sortierklasse oder Festigkeitsklasse
  • Bezug zur Sortiernorm, zum Beispiel DIN 4074-1 bei visueller Sortierung
  • Hersteller- oder Produktcode
  • CE-Kennzeichnung beziehungsweise Leistungserklärung
  • Hinweis auf trocken sortiertes oder technisch getrocknetes Holz
  • Holzart beziehungsweise Holzarten-Codierung

Nach der Verbändevereinbarung für CE-Dachlatten aus Nadelholz sind die betroffenen Latten an einer Stirnseite rot gekennzeichnet. Diese rote Stirnseite ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal, aber sie ersetzt nicht die vollständigen Unterlagen. Eine rot gestrichene Latte ohne saubere Produktdokumentation bleibt verdächtig.

Praktischer Einkaufstest

Greifen Sie beim Händler nicht blind zum billigsten Bund. Prüfen Sie einzelne Latten. Sind sie stark verdreht? Gibt es grobe Risse? Sind Kanten massiv beschädigt? Ist das Holz nass oder riecht muffig? Dann Finger weg. Dachlatten müssen nicht möbeltauglich aussehen, aber sie müssen tragfähig, trocken und sauber sortiert sein.

Welcher Dachlattenquerschnitt ist der richtige?

Dachlatten 24 × 48 mm

24 × 48 mm ist kein Standard für jedes Dach. Dieser Querschnitt ist nur bei engen Randbedingungen sinnvoll. In der üblichen Zuordnung gilt er bis 70 cm Auflagerabstand, benötigt S13 und darf nur bei Dachlattenabständen bis 17 cm eingesetzt werden.

Solche engen Lattabstände kommen bei bestimmten kleinformatigen Deckungen vor. Bei modernen, großformatigen Dachziegeln oder Dachsteinen liegen die Lattabstände häufig deutlich höher. Dann scheidet 24 × 48 mm als einfache Standardlösung aus.

Dachlatten 24 × 60 mm

24 × 60 mm bietet mehr Breite, aber weiterhin nur eine geringe Höhe. Die größere Breite kann für Auflage und Befestigung hilfreich sein. Statisch ist die geringe Höhe trotzdem ein begrenzender Faktor.

In der üblichen Tabelle wird 24 × 60 mm bis 80 cm Auflagerabstand mit S13 geführt. Wer diesen Querschnitt einsetzen möchte, sollte also genau prüfen, ob Deckung, Lattabstand und Konstruktion dazu passen.

Dachlatten 30 × 50 mm

30 × 50 mm ist der Klassiker. Viele Dachdecker, Zimmerer und Händler führen dieses Maß als gängigen Standard für Steildächer. Bei S10-Sortierung wird es in den üblichen Zuordnungen bis 80 cm Auflagerabstand verwendet.

Das heißt aber nicht: 80 cm Sparrenabstand gleich automatisch 30 × 50 mm. Hohe Schneelasten, schwere Eindeckungen, besondere Windsogsituationen oder ungünstige Befestigungen können eine andere Lösung verlangen.

Dachlatten 40 × 60 mm

40 × 60 mm bringt deutlich mehr Höhe und damit mehr Biegesteifigkeit. Dieser Querschnitt wird häufig gewählt, wenn der Auflagerabstand größer ist oder zusätzliche Reserven gewünscht sind. In der üblichen Zuordnung gilt 40 × 60 mm in S10 bis 100 cm Auflagerabstand.

Trotzdem ist 40 × 60 mm keine magische Sicherheitslatte. Auch dieser Querschnitt muss zur gesamten Konstruktion passen. Bei besonderen Lastfällen braucht es eine fachgerechte Bemessung.

Holzfeuchte: Warum Dachlatten trocken sein müssen

Dachlatten sollten beim Einbau trocken sein. Der Nennquerschnitt bezieht sich auf trockenes Holz mit einer Holzfeuchte unter 20 Prozent. Feuchtes Holz verändert sich nach dem Einbau. Es schwindet, kann sich verdrehen und bekommt Risse. Genau das will man unter einer Dacheindeckung nicht haben.

Zu feuchte Dachlatten können später diese Probleme verursachen:

  • veränderte Lattenabstände durch Schwinden
  • verdrehte oder krumme Auflageflächen
  • gelockerte Nägel oder Schrauben
  • Risse an Befestigungspunkten
  • schlechtere Auflage der Dachziegel
  • Schimmel oder erhöhte Feuchtebelastung im Dachaufbau

Die Abkürzung TS steht im Holzhandel häufig für trocken sortiert. KD bedeutet „kiln dried“, also technisch getrocknet. Verlassen Sie sich trotzdem nicht nur auf Abkürzungen. Entscheidend sind Kennzeichnung, Lieferunterlagen und ein plausibler Zustand der Ware.

Eine chemische Imprägnierung ist bei einem korrekt geplanten, trockenen und gut belüfteten Dachaufbau nicht automatisch nötig. Konstruktiver Holzschutz ist meist wichtiger: Feuchtigkeit muss weg, Holz muss abtrocknen können, und Wasser darf sich nicht dauerhaft stauen.

Lattabstand richtig berechnen

Der Lattabstand wird auch Lattmaß genannt. Er ist einer der häufigsten Fehlerpunkte auf dem Dach. Viele denken: „Der Ziegel ist etwa 42 cm lang, also mache ich die Latten ungefähr so weit auseinander.“ Das ist falsch.

Der Lattabstand richtet sich nach der Decklänge des konkreten Dachziegels oder Dachsteins. Hersteller geben dafür einen zulässigen Bereich an. Innerhalb dieses Bereichs lässt sich die Deckung etwas strecken oder stauchen. Aber nur in Grenzen.

Wichtige Begriffe

  • Decklänge: Länge, die ein Dachziegel in Richtung Traufe–First tatsächlich abdeckt.
  • Lattabstand: Abstand zwischen den maßgeblichen Kanten zweier aufeinanderfolgender Dachlatten.
  • Deckbreite: seitliche Breite, die ein Ziegel nach dem Ineinandergreifen abdeckt.
  • Schnürmaß: auf dem Dach angerissenes Maß zur Positionierung der Latten.

Schritt für Schritt zum Lattmaß

  1. Dachziegel festlegen: Erst wenn das genaue Modell bekannt ist, können Sie mit den Herstellerdaten arbeiten.
  2. Traufe und First klären: Die erste und letzte Latte haben oft Sondermaße. Diese Bereiche nicht einfach aus dem Standardabstand ableiten.
  3. Einteilungsstrecke messen: Gemessen wird am echten Dach, nicht nur aus der Zeichnung.
  4. Mögliche Ziegelreihen bestimmen: Teilen Sie die Strecke probeweise durch minimale und maximale Decklänge.
  5. Lattmaß berechnen: Die Einteilungsstrecke wird durch die Anzahl der Ziegelreihen geteilt.
  6. Mit Herstellerbereich abgleichen: Das Ergebnis muss innerhalb der zulässigen Decklänge liegen.

Rechenbeispiel

Angenommen, zwischen Traufpunkt und oberem Einteilungspunkt verbleiben 7,20 m. Geplant sind 22 gleichmäßige Ziegelreihen.

7.200 mm ÷ 22 = 327,3 mm

Das berechnete Lattmaß beträgt also rund 32,7 cm. Dieses Maß darf nur übernommen werden, wenn es innerhalb des zulässigen Bereichs des Herstellers liegt. In der Praxis werden mehrere Ziegel ausgelegt und gemessen, weil einzelne Ziegel Toleranzen haben können.

Materialbedarf: Wie viele Dachlatten pro Quadratmeter?

Für eine überschlägige Materialberechnung reicht eine einfache Formel:

Laufmeter Dachlatten je m² = 1 ÷ Lattabstand in Metern

Bei einem Lattabstand von 33 cm ergibt sich:

1 ÷ 0,33 = rund 3,03 laufende Meter Dachlatte je m²

Für 100 m² Dachfläche wären rechnerisch rund 303 laufende Meter Dachlatten nötig. Das ist aber nur der glatte Grundwert. Dazu kommen Verschnitt, Ortgänge, Traufe, First, Kehlen, Gauben, Anschlüsse, Wechsel und Reserve.

Als grober Praxiszuschlag sind 5 bis 10 Prozent oft realistisch. Bei verwinkelten Dächern darf es mehr sein. Bestellen Sie nicht zu knapp. Nachkaufen klingt harmlos, kostet auf der Baustelle aber Zeit und bringt manchmal andere Chargen oder abweichende Holzqualität ins Spiel.

Schneelast und Wind: Warum der Standort mitentscheidet

Die passende Dachlatte hängt nicht nur vom Ziegel ab. Schnee und Wind können ein Dach stark belasten. Besonders in höheren Lagen, schneereichen Regionen oder exponierten Ortslagen reicht eine einfache Standardannahme oft nicht aus.

Bei der Schneelast spielen unter anderem diese Punkte hinein:

  • Schneelastzone
  • Höhe über Normalhöhennull
  • Dachneigung
  • Dachform
  • Schneeanhäufungen an Gauben, Kehlen oder aufgehenden Bauteilen
  • angrenzende höhere Gebäude oder Dachversprünge

Das Brandenburgische Landesamt für Bauen und Verkehr erklärt in einem Merkblatt, dass eine Schneelast von 1 kN/m² näherungsweise 100 kg Schnee je Quadratmeter Grundrissfläche entspricht: Merkblatt Schneelast und Standsicherheit. Genau solche Lasten zeigen, warum Dachlatten nicht wie einfache Dekoleisten behandelt werden dürfen.

Eine pauschale Regel wie „In Schneelastzone 3 immer 40 × 60 mm“ wäre trotzdem unsauber. Der Dachlattenquerschnitt ist nur ein Baustein. Sparrenabstand, Dachdeckung, Befestigung und gesamte Lastabtragung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Dachlatten richtig befestigen

Die beste Dachlatte bringt wenig, wenn sie falsch befestigt wird. Nägel oder Schrauben müssen die Kräfte sicher in Konterlatten und Sparren übertragen. Dafür zählen Durchmesser, Länge, Eindringtiefe, Korrosionsschutz, Randabstände und die Art des Untergrunds.

Wichtig sind vor allem diese Regeln:

  • Stöße dürfen nicht frei zwischen zwei Auflagern hängen.
  • Jeder Lattenstoß muss auf einem tragfähigen Auflager liegen.
  • Nägel und Schrauben dürfen die Latte am Ende nicht aufspalten.
  • Befestigungsmittel müssen zur Holzart und zum Querschnitt passen.
  • Bei Windsog, Sturmklammern und Sonderdeckungen gelten zusätzliche Anforderungen.
  • Korrosionsschutz ist wichtig, weil Befestigungsmittel dauerhaft im Dachaufbau liegen.

Eine feste Empfehlung wie „für 30 × 50 mm immer Nagel XY“ wäre unseriös. Die Verbindung gehört zur Gesamtkonstruktion. Wer unsicher ist, lässt die Befestigung durch Fachbetrieb, Planer oder Herstellerangaben absichern.

Häufige Fehler bei Dachlatten

Ungesichtete Holzlatten verwenden

Eine einfache Latte ohne dokumentierte Festigkeitssortierung darf nicht automatisch als tragende Dachlatte eingesetzt werden. Gerade gewachsen heißt nicht automatisch tragfähig.

S10 als Freifahrtschein verstehen

S10 ist bei 30 × 50 mm und 40 × 60 mm häufig richtig, aber nicht für jeden Querschnitt und jede Situation. Kleine Querschnitte können S13 erfordern.

Auflagerabstand falsch messen

Relevant ist die Spannweite zwischen den Auflagern. Die reine Sparrenbreite oder ein grob geschätzter Abstand reicht nicht.

Lattmaß ohne Herstellerangaben festlegen

Der Lattabstand muss zur Decklänge des konkreten Ziegels passen. Ein ähnlicher Ziegel eines anderen Herstellers kann ein anderes Maß benötigen.

Nasses Holz einbauen

Feuchte Dachlatten können nach dem Einbau schwinden, reißen oder sich verdrehen. Dann verändert sich die Auflage der gesamten Eindeckung.

Stöße an falscher Stelle setzen

Lattenstöße gehören auf ein tragfähiges Auflager. Mehrere Stöße direkt nebeneinander können die Konstruktion unnötig schwächen.

Arbeitsschutz unterschätzen

Eine Dachlatte ist während der Bauphase oft ein Arbeitsplatz. Trotzdem ersetzt sie keine Absturzsicherung, keinen sicheren Zugang und keine Fachkenntnis. Das Dach ist kein Ort für Improvisation.

Checkliste für den Dachlattenkauf

Vor der Bestellung sollten diese Punkte geklärt sein:

  • Welcher Dachziegel oder Dachstein wird verwendet?
  • Welche minimale und maximale Decklänge gibt der Hersteller vor?
  • Wie groß ist der tatsächliche Auflagerabstand?
  • Welcher Dachlattenquerschnitt ist vorgesehen?
  • Welche Sortier- oder Festigkeitsklasse ist erforderlich?
  • Sind Schnee- und Windlasten berücksichtigt?
  • Ist ein statischer Nachweis nötig oder vorhanden?
  • Sind die Dachlatten trocken und maßhaltig?
  • Ist die Kennzeichnung nachvollziehbar?
  • Liegt eine Leistungserklärung oder passende Produktdokumentation vor?
  • Sind geeignete Befestigungsmittel festgelegt?
  • Wurde ausreichend Verschnitt eingeplant?

Mein Praxistipp: Fotografieren Sie beim Einkauf oder bei Lieferung die Bündelkennzeichnung und legen Sie Lieferschein, Leistungserklärung und Herstellerangaben zur Bauakte. Falls später Fragen auftauchen, ist die Dokumentation Gold wert.

Fazit: Dachlatten nie nur nach dem Maß auswählen

Die wichtigsten Dachlatten-Maße sind 30 × 50 mm und 40 × 60 mm. 30 × 50 mm wird in den üblichen Zuordnungen bis 80 cm Auflagerabstand mit S10 geführt. 40 × 60 mm kommt bis 100 cm Auflagerabstand infrage, ebenfalls in S10. Kleinere Querschnitte wie 24 × 48 mm oder 24 × 60 mm benötigen dagegen S13 und sind enger begrenzt.

Das Maß allein entscheidet aber nicht. Eine sichere Dachlattung braucht passende Festigkeitssortierung, trockene Ware, saubere Kennzeichnung, korrekte Befestigung, ein stimmiges Lattmaß und die Berücksichtigung von Schnee- und Windlasten. Sobald Dachform, Lasten oder Abstände vom Standard abweichen, gehört ein Fachbetrieb oder Tragwerksplaner dazu.

Oder ganz einfach gesagt: Eine Dachlatte ist billig. Ein Fehler im Dachaufbau nicht.

Häufig gestellte Fragen zu Dachlatten-Maßen

Welche Dachlatten-Maße sind üblich?

Üblich sind vor allem 30 × 50 mm und 40 × 60 mm. Zusätzlich gibt es 24 × 48 mm und 24 × 60 mm für bestimmte Einsatzbereiche. Welches Maß passt, hängt von Auflagerabstand, Sortierklasse, Dacheindeckung und Lasten ab.

Ist 30 × 50 mm für Dachlatten ausreichend?

30 × 50 mm ist ein häufiger Standardquerschnitt. In den üblichen Zuordnungen wird er mit S10 bis 80 cm Auflagerabstand angesetzt. Bei hohen Lasten, schweren Deckungen oder Sonderkonstruktionen kann dennoch ein anderer Querschnitt nötig sein.

Wann nimmt man 40 × 60 mm Dachlatten?

40 × 60 mm wird oft bei größeren Auflagerabständen oder erhöhten Tragfähigkeitsanforderungen eingesetzt. In der üblichen Zuordnung gilt dieser Querschnitt in S10 bis 100 cm Auflagerabstand. Die gesamte Dachkonstruktion muss trotzdem geprüft werden.

Müssen Dachlatten immer S10 sein?

Nein. Für 30 × 50 mm und 40 × 60 mm ist S10 in den üblichen Zuordnungen die Mindestklasse. Bei kleineren Querschnitten wie 24 × 48 mm oder 24 × 60 mm ist S13 vorgesehen.

Sind rote Dachlatten automatisch normgerecht?

Die rote Stirnseitenkennzeichnung ist ein wichtiges Merkmal bei CE-Dachlatten. Sie ersetzt aber nicht Produktcode, Sortierklasse, CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung. Farbe allein ist kein vollständiger Nachweis.

Wie wird der Lattabstand berechnet?

Der Lattabstand ergibt sich aus der nutzbaren Einteilungsstrecke und der Anzahl der Ziegelreihen. Das Ergebnis muss innerhalb der vom Hersteller angegebenen minimalen und maximalen Decklänge liegen.

Kann ich normale Baumarktlatten als Dachlatten verwenden?

Nur wenn die Latten als tragende Dachlatten geeignet, festigkeitssortiert und entsprechend dokumentiert sind. Das passende Maß allein reicht nicht aus.

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